Geschichte des Gebäudes
Ludwig Hoffmann (1852-1932) ist der Architekt unserer Schule. Er entwarf als Magistratsbaurat in 28 Jahren in Berlin 111 Bauanlagen mit 300 Bauwerken und gilt als der Erbauer des kommunalen Berlins zwischen Historizismus und der Moderne. Darunter waren 60 Schulprojekte besonders im bevölkerungsdichten Nordosten und Nordwesten unserer Stadt. Viele seiner Bauten wirkten wie Geschmacksinseln in grauen Steinwüsten und zeichneten sich unter den baulichen Scheußlichkeiten der Gründerjahre als wohlüberlegt und ästhetisch gestaltet aus. Neben Schulen, Krankenhäusern, Sozialeinrichtungen, Badeanstalten sind uns von Ludwig Hoffmann das Neue Stadthaus, das Märkische Museum, der Märchenbrunnen, das Virchow-Krankenhaus und das Genesungshaus erhalten. In diesen architektonischen Neukompositionen wiederholt sich nichts, werden stilistische Details sorgfältig eingesetzt und in unaufdringlichen Proportionen wirksam. Hoffmanns Ästhetik bedeutet soziales Programm, Klarheit und immer wiederkehrende individuelle Ausformung.
Unser Schulgebäude in der Dunckerstraße 64 errichtete Ludwig Hoffmann 1913/14 als Gemeindedoppelschule mit einer Schulzahnklinik parallel zur S-Bahn-Trasse und als Gegenpol zur ehemaligen Gemeindeschule für Knaben mit einer ursprünglichen Volkslesehalle (1899/1900). Das Bauwerk wirkt recht einfach und funktionsbezogen. In der schmalen Straßenfront der Dunckerstraße gliederte Hoffmann links ein kleines eingeschossiges Gebäude und rechts das dreigeschossige ehemalige Wohnhaus für Rektor, Schuldiener und Heizer. Heute wird das Vorderhaus nach etlichen Jahren des Leerstands wieder in vollem Umfang genutzt: Im Erdgeschoss wurde im Schuljahr 2005/06 durch eine Aktion der Schülervertretung die ehemalige Hausmeisterwohnung zum neuen Aufenthaltsraum der Sekundarstufe II umgestaltet. Das erste Obergeschoss beherbergt unsere Schulbibliothek und im zweiten Obergeschoss befinden sich Unterrichtsräume für die Deutschkurse, Lebenskunde- und Religionsstunden.
Ein breites Tor gibt den Weg frei in die neue, nach den alten Plänen Hoffmanns gestaltete Hofanlage mit dem langgestreckten Schulgebäude. Dieses ist viergeschossig als Flügelanlage mit einem Walmdach und einem Mittelrisalit nach Süden gebaut. Helle, freundliche Fenster, sowie eine ruhige und sorgsam abgestimmte Fassade als Klinkerverblendbau bilden die Schauseite. Kleeblattbogige, geschlossene Drillingsfenster mit vertikal betonten Stabwerk, Terrakotten sowie einer gotisierenden, feingliedrigen Vorlage im Sinne eines expressiven Konstruktivismus geben dem Bau seine Leichtigkeit und Individualität.
Unter dem Eindruck eines Besuches etlicher Schulen in den Arbeitervierteln berichtete 1916 ein Berliner Bürgermeister:
[...], daß wir so einen Kerl haben, der es fertig kriegt, dieser gedunsenen architektonischen Gemeinheit sein anständiges Ich gegenüberzustellen! [...] Ihre Bauten stehen in den Außenbezirken wie Könige unter Protzen [...] Mein heimlicher leiser Vorwurf, daß sie zu enthaltsam sind, trifft hier nicht zu. Hier ist gerade höchste Enthaltsamkeit die höchste Tugend.
Hoffmanns Wahlspruch lautete: Kunst ist Takt. Möge dementsprechend unser Schulgebäude bald wieder außen sowie auch innen in seiner Funktion und Ästhetik ausstrahlen. Einiges wäre da noch zu tun.