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Heinrich Schliemann

 

Auf dem Ehrengrabmal Heinrich Schliemanns in Athen findet sich die schlichte, aus nur zwei Worten bestehende griechische Inschrift:

 

 

"Dem Heros Schliemann."


Ein Heros ist kein Theaterheld in mächtiger Pose. Ein Heros ist kein Gott. Ein Heros ist ein Mensch, der mehr geleistet hat als andere, ein Mensch, der Fesseln gesprengt hat.

Die wohl schönste Würdigung von Heinrich Schliemanns Lebenswerk verdanken wir seinem Freund und selbstlosen Förderer, dem bedeutenden Naturforscher Rudolf Virchow: "Er hat die Ungunst der äußeren Verhältnisse durch treue und umsichtige Arbeit zu überwinden gewusst und in aller Bedrängnis des geschäftlichen Lebens die Ideale nicht aufgegeben, welche in die Brust des Knaben gepflanzt waren. Was er erreicht hat, ist von ihm durch eigene Kraft erzwungen worden. Unter allen Wechselfällen ist er sich treu geblieben. Seine einzige Sorge war das Streben nach höherer Erkenntnis.

Das Leben Heinrich Schliemanns ist ein Leben voller Abenteuer. Wie Odysseus in zehnjähriger Irrfahrt die Meere durchstreifen musste, ehe er die heimatlichen Gestade Ithakas erreichte, so treiben die Winde des Aiolos auch Schliemann durch alle Länder der Erde, ehe er den Traum seiner Kindheit verwirklichen darf, den Traum von Troja. Begeistert von den Gesängen Homers, fasst der Dorfjunge aus Mecklenburg den Plan, die Stätten des Trojanischen Krieges dem Schutt der Jahrhunderte zu entreißen. Besessen von dieser Idee, überwindet er mit beispielloser Ausdauer und Zähigkeit Not und Elend, erzwingt er mit übermenschlicher Anstrengung den Erfolg, bis der Petersburger Großkaufmann und Millionär sich der eigentlichen Aufgabe seines Lebens zuwenden kann. In Troja, Mykene, Tiryns und Orchomenos findet Schliemann die Überreste einer bis dahin sagenhaften Kultur der Menschheitsgeschichte, die wir heute die mykenische nennen. Er wird mit einem Schlage zu einer der berühmtesten und populärsten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Seine Ausgrabungen machen Schliemann zum Begründer der modernen Archäologie, seine Forschungen bilden einen Markstein in der Geschichte der Altertumswissenschaft. Seine Arbeit hat unendlich viel dazu beigetragen, die antike Kultur zu popularisieren und zu ihrer Erforschung anzuregen.

All dies, was Heinrich Schliemann in seinem Leben geleistet hat, ist undenkbar ohne seine intensive Beschäftigung mit fremden Sprachen. In der Chronologie seiner Biographie lesen wir:

1842: Schliemann lernt Holländisch, Englisch, Französisch.
1843: S. lernt Spanisch, Italienisch, Portugisisch.
1853: S. lernt Schwedisch, Dänisch, Polnisch und Slowenisch.
1857: S. lernt Altgriechisch und Lateinisch.

Nach einer ganz ungewöhnlichen, selbsterdachten Methode bringt er es fertig, innerhalb weniger Wochen oder Monate eine ihm vorher völlig unbekannte Sprache annähernd perfekt zu beherrschen. Insgesamt sind es schließlich 20 Sprachen, die er sich im Laufe seines Lebens aneignet. Wir können stolz und froh darüber sein, dass wir an unserem Gymnasium - ganz im Sinne unseres Namenspatrons - immerhin etwa ein Drittel dieser Sprachen lernen, nicht zuletzt auch die beiden alten Sprachen, Latein und Griechisch.

Doch was ist wohl das Wichtigste, das wir aus dem Leben und Wirken Heinrich Schliemanns lernen können? Ganz sicher die Tatsache, dass wirklich bedeutende Erfolge einen enormen Leistungswillen voraussetzen, beispiellosen Fleiß, nie erlahmende Ausdauer und eiserne Konsequenz erfordern. Eifern wir Heinrich Schliemann nach, indem wir die Worte des großen griechischen Dichters Hesiod, eines Zeitgenossen des von ihm so verehrten Homer beherzigen, die wir in unserer Aula lesen können:

 

"Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt."
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