Damals bis Heute

Geschichte der Schule

1928-1945

Am 20. November 1928 wurde das "Luisenstädtische Gymnasium", welches sich damals in der Gleimstraße 49 befand, in "Heinrich-Schliemann-Schule" umbenannt. Paul Hildebrandt, ehemals Rektor am "Grauen Kloster" und von Januar 1925 bis Dezember 1932 Direktor der Schliemann-Schule, setzte sich mit seiner ganzen Persönlichkeit für die Umgestaltung der von ihm geleiteten Anstalt entsprechend den Erfordernissen und dem Wissensstand der Zeit ein. Ihm gelang es, die Zustimmung des preußischen Provinzialschulkollegiums und der städtischen Behörden zum Aufbau eines Oberrealgymnasiums und zum Fortbestand des humanistischen Gymnasiums unter einem gemeinsamen Dach zu erreichen. Der nachfolgende Leiter wurde Oberstudienrat Fritz Plagemann. Er und vier weitere Studienräte wurden vermutlich aufgrund ihrer jüdischen Herkunft 1933 entlassen. 1938 gab der Berliner Oberbürgermeister im "Amtsblatt der Reichshauptstadt Berlin" die Umbenennung von höheren Anstalten bekannt. Danach trug die "Heinrich-Schliemann-Schule" in der Gleimstraße den Namen "Heinrich-Schliemann-Gymnasium". Kurz vor der kriegsbedingten Schließung des Schulgebäudes in der Gleimstraße im Jahr 1939 wurde die Schule in "Horst-Wessel-Gymnasium" umbenannt. Es folgte der kriegsbedingte Umzug in die Carmen-Sylva-Straße (heute Erich-Weinert-Straße). Um geregelten Unterricht zu gewährleisten wurden Schüler und Lehrer an einen Ort außerhalb Berlins evakuiert.

1945–1991

Ab 1.9.1945 befand sich das "Heinrich-Schliemann-Gymnasium" wieder im Schulgebäude in der Gleimstraße 49. Es wurde von Herrn Studienrat Falk geleitet, welcher 1946 vom ehemaligen Rektor Plagemann abgelöst wurde. Plagemann leitete dieses traditionelle Gymnasium bis 1951, welches ein beachtliches Ansehen durch ihn erlangte. Schrittweise erfolgte eine Umorganisation zu einer Erweiterten Oberschule (EOS) mit Spezialklassen für alt- und neusprachlichen Unterricht. 1953 zog die Schule in die Greifswalder Straße 25 um, da die Räume für den Ausbau der Polytechnischen Oberschulen im Wohngebiet der Gleimstraße für den Neubau der ersten Kinder- und Jugendsportschule Ostberlins verwendet werden sollte. 1962 vereinigte sich die Schliemannschule mit der "EOS Karl-Friedrich Schinkel". Die neu geeinte Heinrich-Schliemann-Schule wurde von Herr Richard von 1962 bis 1979 geführt. Er war der ehemalige Direktor der Schinkel-Schule. 1973 zog die Schule erneut um, diesmal in den Schulneubau in der Conrad-Blenkle-Straße 52. Frau Oberstudienrat Stoppe übernahm 1979 die Leitung der Schule. Durch die Auflösung der 2. EOS Mitte kamen 1983 zusätzlich noch Spezialklassen für die Altsprachen an die Schliemannschule. Die Ereignisse der Wende führten zu grundsätzlicher kritischer Haltung, zu größerer Verantwortung den Schüler gegenüber und zu den demokratischen Schulverwaltungsformen.

1991–Heute

1991 wurde die Berliner Schulstruktur neu gestaltet. Seit dem Schuljahr 1991/92 wird die Heinrich-Schliemann-Oberschule (Gymnasium) von Frau Oberstudiendirektorin Salecker geleitet. Die "EOS Heinrich Schliemann" zog mit der Schülerschaft und einem Teil des Lehrerkollegiums aus der Conrad- Blenkle-Straße 52 in die Dunckerstraße 64 um. Am 12. Mai 1992 erhielt das neu eröffnete 4. OG den Namen "Heinrich-Schliemann-Gymnasium" und wurde einen Monat später in "Heinrich-Schliemann-Schule (Gymnasium)" umbenannt. Der altsprachliche Zweig wurde zum Schuljahr 1993/94 eingerichtet. Am letzten Schultag vor den Herbstferien 1994 fand die Einweihung der Heinrich-Schliemann-Denkmal auf dem Schulgelände statt.

Einen vollständigen, chronologisch sortierten Ablauf der Ereignisse über 100 Jahre Schule in der Dunckerstr. 64 können Sie hier herunterladen.

Heinrich Schliemann

Auf dem Ehrengrabmal Heinrich Schliemanns in Athen findet sich die schlichte, aus nur zwei Worten bestehende griechische Inschrift:

"Dem Heros Schliemann."

Ein Heros ist kein Theaterheld in mächtiger Pose. Ein Heros ist kein Gott. Ein Heros ist ein Mensch, der mehr geleistet hat als andere, ein Mensch, der Fesseln gesprengt hat.

Die wohl schönste Würdigung von Heinrich Schliemanns Lebenswerk verdanken wir seinem Freund und selbstlosen Förderer, dem bedeutenden Naturforscher Rudolf Virchow: "Er hat die Ungunst der äußeren Verhältnisse durch treue und umsichtige Arbeit zu überwinden gewusst und in aller Bedrängnis des geschäftlichen Lebens die Ideale nicht aufgegeben, welche in die Brust des Knaben gepflanzt waren. Was er erreicht hat, ist von ihm durch eigene Kraft erzwungen worden. Unter allen Wechselfällen ist er sich treu geblieben. Seine einzige Sorge war das Streben nach höherer Erkenntnis.

Das Leben Heinrich Schliemanns ist ein Leben voller Abenteuer. Wie Odysseus in zehnjähriger Irrfahrt die Meere durchstreifen musste, ehe er die heimatlichen Gestade Ithakas erreichte, so treiben die Winde des Aiolos auch Schliemann durch alle Länder der Erde, ehe er den Traum seiner Kindheit verwirklichen darf, den Traum von Troja. Begeistert von den Gesängen Homers, fasst der Dorfjunge aus Mecklenburg den Plan, die Stätten des Trojanischen Krieges dem Schutt der Jahrhunderte zu entreißen. Besessen von dieser Idee, überwindet er mit beispielloser Ausdauer und Zähigkeit Not und Elend, erzwingt er mit übermenschlicher Anstrengung den Erfolg, bis der Petersburger Großkaufmann und Millionär sich der eigentlichen Aufgabe seines Lebens zuwenden kann. In Troja, Mykene, Tiryns und Orchomenos findet Schliemann die Ãœberreste einer bis dahin sagenhaften Kultur der Menschheitsgeschichte, die wir heute die mykenische nennen. Er wird mit einem Schlage zu einer der berühmtesten und populärsten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Seine Ausgrabungen machen Schliemann zum Begründer der modernen Archäologie, seine Forschungen bilden einen Markstein in der Geschichte der Altertumswissenschaft. Seine Arbeit hat unendlich viel dazu beigetragen, die antike Kultur zu popularisieren und zu ihrer Erforschung anzuregen.

All dies, was Heinrich Schliemann in seinem Leben geleistet hat, ist undenkbar ohne seine intensive Beschäftigung mit fremden Sprachen. In der Chronologie seiner Biographie lesen wir:

1842: Schliemann lernt Holländisch, Englisch, Französisch.
1843: Schliemann lernt Spanisch, Italienisch, Portugisisch.
1853: Schliemann lernt Schwedisch, Dänisch, Polnisch und Slowenisch. 
1857: Schliemann lernt Altgriechisch und Lateinisch.

Nach einer ganz ungewöhnlichen, selbsterdachten Methode bringt er es fertig, innerhalb weniger Wochen oder Monate eine ihm vorher völlig unbekannte Sprache annähernd perfekt zu beherrschen. Insgesamt sind es schließlich 20 Sprachen, die er sich im Laufe seines Lebens aneignet. Wir können stolz und froh darüber sein, dass wir an unserem Gymnasium - ganz im Sinne unseres Namenspatrons - immerhin etwa ein Drittel dieser Sprachen lernen, nicht zuletzt auch die beiden alten Sprachen, Latein und Griechisch.

Doch was ist wohl das Wichtigste, das wir aus dem Leben und Wirken Heinrich Schliemanns lernen können? Ganz sicher die Tatsache, dass wirklich bedeutende Erfolge einen enormen Leistungswillen voraussetzen, beispiellosen Fleiß, nie erlahmende Ausdauer und eiserne Konsequenz erfordern. Eifern wir Heinrich Schliemann nach, indem wir die Worte des großen griechischen Dichters Hesiod, eines Zeitgenossen des von ihm so verehrten Homer beherzigen, die wir in unserer Aula lesen können: 

"Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt."

Geschichte des Gebäudes

Ludwig Hoffmann (1852-1932) ist der Architekt unserer Schule. Er entwarf als Magistratsbaurat in 28 Jahren in Berlin 111 Bauanlagen mit 300 Bauwerken und gilt als der Erbauer des kommunalen Berlins zwischen Historizismus und der Moderne. Darunter waren 60 Schulprojekte besonders im bevölkerungsdichten Nordosten und Nordwesten unserer Stadt. Viele seiner Bauten wirkten wie Geschmacksinseln in grauen Steinwüsten und zeichneten sich unter den baulichen Scheußlichkeiten der Gründerjahre als wohlüberlegt und ästhetisch gestaltet aus. Neben Schulen, Krankenhäusern, Sozialeinrichtungen, Badeanstalten sind uns von Ludwig Hoffmann das Neue Stadthaus, das Märkische Museum, der Märchenbrunnen, das Virchow-Krankenhaus und das Genesungshaus erhalten. In diesen architektonischen Neukompositionen wiederholt sich nichts, werden stilistische Details sorgfältig eingesetzt und in unaufdringlichen Proportionen wirksam. Hoffmanns Ästhetik bedeutet soziales Programm, Klarheit und immer wiederkehrende individuelle Ausformung.

Unser Schulgebäude in der Dunckerstraße 64 errichtete Ludwig Hoffmann 1913/14 als Gemeindedoppelschule mit einer Schulzahnklinik parallel zur S-Bahn-Trasse und als Gegenpol zur ehemaligen Gemeindeschule für Knaben mit einer ursprünglichen Volkslesehalle (1899/1900). Das Bauwerk wirkt recht einfach und funktionsbezogen. In der schmalen Straßenfront der Dunckerstraße gliederte Hoffmann links ein kleines eingeschossiges Gebäude und rechts das dreigeschossige ehemalige Wohnhaus für Rektor, Schuldiener und Heizer. Heute wird das Vorderhaus nach etlichen Jahren des Leerstands wieder in vollem Umfang genutzt: Im Erdgeschoss wurde im Schuljahr 2005/06 durch eine Aktion der Schülervertretung die ehemalige Hausmeisterwohnung zum neuen Aufenthaltsraum der Sekundarstufe II umgestaltet. Das erste Obergeschoss beherbergt unsere Schulbibliothek und im zweiten Obergeschoss befinden sich Unterrichtsräume für die Deutschkurse, Lebenskunde- und Religionsstunden.

Ein breites Tor gibt den Weg frei in die neue, nach den alten Plänen Hoffmanns gestaltete Hofanlage mit dem langgestreckten Schulgebäude. Dieses ist viergeschossig als Flügelanlage mit einem Walmdach und einem Mittelrisalit nach Süden gebaut. Helle, freundliche Fenster, sowie eine ruhige und sorgsam abgestimmte Fassade als Klinkerverblendbau bilden die Schauseite. Kleeblattbogige, geschlossene Drillingsfenster mit vertikal betonten Stabwerk, Terrakotten sowie einer gotisierenden, feingliedrigen Vorlage im Sinne eines expressiven Konstruktivismus geben dem Bau seine Leichtigkeit und Individualität.

Unter dem Eindruck eines Besuches etlicher Schulen in den Arbeitervierteln berichtete 1916 ein Berliner Bürgermeister:

[...], daß wir so einen Kerl haben, der es fertig kriegt, dieser gedunsenen architektonischen Gemeinheit sein anständiges Ich gegenüberzustellen! [...] Ihre Bauten stehen in den Außenbezirken wie Könige unter Protzen [...] Mein heimlicher leiser Vorwurf, daß sie zu enthaltsam sind, trifft hier nicht zu. Hier ist gerade höchste Enthaltsamkeit die höchste Tugend.


Hoffmanns Wahlspruch lautete: Kunst ist Takt. Möge dementsprechend unser Schulgebäude bald wieder außen sowie auch innen in seiner Funktion und Ästhetik ausstrahlen. Einiges wäre da noch zu tun.